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Route:
Route 2000
02. - 04.11.2000: Flug Wien >> Sydney >> Darwin
05. - 20.11.2000: Darwin >> Red Center
21.11.2000 Flug Alice Springs >> Cairns
22.11. - 08.12.2000: Cairns >> Sydney
09. - 10.12.2000: Flug Sydney >> Wien
 
Tagesnotizen:
Nov.:    02-03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15
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Dez.: 01 02 03-04 05 06 07-08 09-10
 

Do., 02.11. - Fr., 03.11.2000
Flug Wien - Sydney-Darwin

In den Wochen vor dem geplanten Start nach Australien gibt es ein paar Ereignisse, die die Urlaubsvorfreude dämpfen. Da ist mein Abszess am ... ähm ... in der Folge Fieber, operativer Eingriff, offene Wunde. Ein weiteres Problem ist, dass die Videokamera irreparabel kaputt geht. Eine neue muss im letzten Moment gekauft werden. Spannend ist auch die Beschaffung meines neuen Führerscheins. Ich habe ihn dann doch drei Tage vor Abflug in der Tasche. Die Störungen setzten sich während der Reisetage fort. Abflugtermin in Wien mit Lauda Air NG 5 ist der 2. Nov, 11 Uhr vormittags. Gretl bringt uns freundlicher Weise rechtzeitig zum Flughafen. Wir sind um 9 da und ... starten erst um 4 Uhr nachmittags. Die fünfstündige Verspätung geht ohne brauchbare Information über die Ursachen recht qualvoll vorüber. Was war passiert? Beim routinemäßigen Check wird ein falsches Fehlersignal entdeckt, d.h. der Fehler war das Fehlersignal selbst. Beim Versuch das wieder in Ordnung zu bringen, löst sich eine dieser aufblasbaren Notfallrutschen, die nicht wieder eingebaut werden kann. Also muss die Maschine einer Reparatur unterzogen werden, um die Folgen des vorhergehenden Reparaturversuchs zu beseitigen. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist aber dann, dass ausgerechnet die Reihe 23, unsere Reihe, auch nach dem Einsteigen der ca. 300 Passagiere, immer noch Tätigkeitsfeld der Servicetechniker ist. Eine halbe Stunde stehen wir und eine weitere Passergierin im Einstiegsbereich und warten und warten. Nach insgesamt 7 Stunden von "Wiederseh'n" zu Gretl bis zum Abflug, geht es endlich los. Nach 10 Sunden bis Bangkok geht es, ohne dass wir aussteigen müssen, weiter nach Sydney, wo wir um 10 p.m. Lokalzeit (12 Uhr Mittags MEZ) ankommen. Taxi zum Hotel "Airport Park Royal" - um 5 Uhr morgens aufstehen und wieder zum Flughafen. Um 7:30 starten wir mit Quantas in Richtung Darwin, Zwischenlandung in Brisbane.

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Sa., 04.11.2000
Darwin

Am ersten Campingplatz Etwa zu Mittag kommen wir in Darwin an. Beim Verlassen des Flughafengebäudes erleiden wir einen Wetterschock, 32° und 90% Luftfeuchtigkeit. Wir sehen in kurzer Zeit wie geduscht und nicht abgetrocknet aus. Wir sind jetzt in der Übergangszeit zwischen der Dry Season und der Wet Season. Die tropischen Monsunregen könnten bald beginnen, aber noch scheint die Sonne, und wie! Ein recht netter plauderfreudiger Taxler bringt uns zu Britz, wo wir den Toyota Landcruiser übernehmen und gleich unsere Expedition beginnen. Der erste Tag auf Achse war der Suche nach einem Laden gewidmet, wo man Hüte kaufen könnte. Wir sind damit erfolglos, da am Samstag Nachmittag die meisten Geschäfte geschlossen sind. So versorgen wir uns mit Lebensmittel, Wasser und Bier und fahren in Richtung Süden los. 10 km südlich von Darwin stellen wir uns in das "Palms Village Resort" um zu übernachten. Die Nacht ist nicht gerade erholsam, schwüle Hitze, Gelsen und das Jetlag verhindern das. Ein Problem am Rande ist, dass ich den Stromanschluss am Jeep nicht finden kann. Ein benachbarter Schweizer hilft mir beim Suchen. Der Jeep ist ein älteres Model, hat keine Steckdose außen. Man muss das Kabel direkt an der Kühlbox anschließen, Problem gelöst. Das Schweizer Paar ist schon ein halbes Jahr in Downunder unterwegs. Die Inspektion meiner Wunde ergibt, dass sie gut am Verheilen ist. Küste bei Darwin

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So., 05.11.2000
Kakadu National Park

Ein Vogelparadies am Straßenrand
Spaltfußgänse, Mamukala Lagoon
Das erste Känguru, eigentlich ein Wallabie
Die Nacht ist überstanden, wir starten in Richtung Kakadu National Park, was an die 300 km Fahrt bedeutet.

Kurz vor der Einfahrt in den Park queren wir den Adelaide River. Hier gibt es eine besondere Attraktion: "The Jumping Crokodiles". Es ist zwar die pure Touristenmasche, aber die einzige Möglichkeit in den Lebensraum der großen Leistenkrokodile (Salzwasserkrokodile, hier "Salties" genannt) einzudringen und die imposanten Tiere aus nächster Nähe zusehen. Eine Gruppe Touristen fährt mit dem Boot auf den Fluss hinaus. Eine junge Frau lockt die Krokodile mit Fleischstücken, die an einer dünnen Schnur am Ende eines Seiles hängen. Die Schur ist an einer langen Stange angebracht. Das Ganze sieht wie Angelzeug aus. Wenn dann ein Saltie den Happen schnappen möchte, zieht sie hoch und das Krok stemmt sich bis zur Hälfte seiner Körperlänge aus dem Wasser, wofür es dann mit dem Leckerbissen belohnt wird. Schauerlich eindrucksvoll! Auch Seeadler werden durch Zuwerfen von Fleischstücken im Flug gefüttert. Die Tiere haben sich offensichtlich schon auf diese Boote eingestellt, da sie sich ganz von selbst nähern. Die haben hier ihr Schlaraffenland. Jedenfalls wäre der Fluss - ca. 40 m breit und 8 m tief, mit Ufern aus feinstem Tonschlamm - und die Krokodile nicht anders zu besichtigen.

Wir fahren weiter. Von einem Aussichtspunkt überblickt man ein weites Tal mit einem ausgedehnten Feuchtgebiet, Mamukala Wetlands. Hier leben Tausende, womöglich Millionen von Wasservögeln. Die meisten sind Reiher und Spaltfußgänse. Es ist immer noch drückend heiß und schwül, aber wir merken, dass wir uns langsam akklimatisieren. Am Nachmittag baut sich ein Gewitter auf und es regnet kurzzeitig. Wir fahren weiter in den Nationalpark hinein und kehren bei Jabiru in der Kakadu Lodge ein. Nach dem Gewitter ist es wesentlich angenehmer, nicht mehr so schwül und etwas kühler.

Am Aelaide River
Jumping Crokodile  
Leckerer Happen  
3 m hoher Termitenbau

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Mo., 06.11.2000
Kakadu NP, Ubirr, Nunguluwurr

Tempelruinen?
Felsüberhang mit Felszeichnungen
Felsmalereien in Ubirr
Felsmalereien in Ubirr
Felsmalereien in Ubirr
Felsmalereien in Ubirr
Felsmalereien in Ubirr

Die Nacht war erholsam, nicht mehr so schwül und gelsenfrei. Elfi hat auf dem Insektenspray bestanden und uns damit geduscht. Es wäre aber auch ohne gegangen. Am Morgen ziehen mächtige Gewitterwolken auf und es gibt einen Platzregen, dann wieder vollen Sonnenschein. Wir besichtigen die Rock Arts Galleries in Ubirr am nördlichen Rand des Kakadu National Parks. Der Park ist übrigens mit 300 mal 100 km Ausdehnung fast halb so groß wie Niederösterreich. Strapaziös wird es dann am Nachmittag. Wir fahren am Kakadu Highway 30 km nach Süden zu den Nanguluwurr Felsmalereien. Das liegt ziemlich abseits. Der Parkplatz ist über 1,3 km Sandpiste zu erreichen und dann muss man noch 1,7 km zu Fuß durch den Regenwald. Es ist wieder sehr heiß, irgendwo weit über 30°. Ohne ausreichend Wasserflaschen im Rucksack sind selbst so kurze Strecken nicht ratsam.  Als wir schließlich wieder zum Parkplatz zurück kommen, erleben wir eine unangenehme Überraschung. Der Jeep ist nicht zu starten, zeigt ein Verhalten, als ob die Batterie leer wäre. Es ist 6:30 p.m., 1,5 Stunden vor Sonnenuntergang, und wir sind da ganz alleine. Kein GSM-Empfang . was tun? Wir packen die wichtigsten Sachen (Wasser, Telefon, Pässe, Geld) in den Rucksack und marschieren die Sandpiste zurück zum Highway. Dieser Zweig des Kakadu Highway ist eine 12 km lange Sackgasse. Es ist zu befürchten, dass hier um diese Zeit kaum Verkehr sein wird. Was soll's, das ist die einzige Chance auf Hilfe. Erstaunlicher Weise funktioniert das Mobiltelefon hier, ich habe aber keine passende Telefonnummer dabei. War sinnlos, das Ding mit zu nehmen. Nach einer halben Stunde kann ich das erste Auto anhalten. Es waren recht nette Leute, eine ganze Familie im Wagen. Die hatten aber keine Starterkabel dabei. Sie erklärten sich bereit, in Jabiru Bescheid zu geben. Wir warten weiter. Ein Berliner Paar kommt noch vorbei, kann aber auch nicht helfen. Dann kommen zwei Burschen in einem urigen PKW aus dem Busch. Das Auto ist bis unters Dach mit Campingzeug voll gepackt. Die beiden sind echt nett. Der Eine weiß sogar, dass Österreicher nicht mit Deutschen zu verwechseln sind. Sie haben Starterkabel dabei. Ich vermute ohnehin, dass die alles mit sich führen, was im Outback eventuell gebraucht werden könnte. Wir klemmen uns zwischen die Gepäcksstücke und ab geht's zurück zum Jeep. Um es kurz zu machen, die Startversuche gehen schief. Sie bringen uns wieder zurück zur Kreuzung am Highway, sichern uns zu, dass sie in Jabiru Nachricht hinterlassen würden und wir sind wieder alleine. Inzwischen ist es 7:30 p.m.. Es ist schon dunkel. Glücklicherweise steht der Halbmond hoch am Himmel, so dass es nicht wirklich stockfinster ist. Wir tanzen auf der Straße herum. Tanzen deswegen, weil die kleinen Buschfliegen und eine Art Stechfliegen unmöglich machen auf einem Fleck zu stehen, oder sich gar hin zu setzen. Da ist jetzt noch ein eigenartiger Summton, der von der Straßenoberfläche zu kommen scheint. Taschenlampen sind im Jeep gut aufgehoben, also versuche ich mit dem Licht der Feuerzeugflamme die Ursache zu klären. Schocking, es sind Heerscharen von den grünen Ameisen, die die ganze Fahrbahnbreite bedecken. Am Horizont zucken Blitze. Echt schön der Anblick, könnte man staunend genießen, wäre da nicht die nahtlose Ablöse der Fliegen durch die Gelsen. Jetzt wird der Tanz richtig heiß. Wir versuchen mit den Hüten die Gelsen zu verscheuchen, was natürlich nur ungenügend gelingt. Bei der Vorstellung, dass der Insektenspray nutzlos im Jeep liegt, zeigen sich bei Elfi erste Anzeichen der Verzweiflung. Ich werde langsam müde von der Tanzerei.

Ubirr
Ubirr Ubirr
Ein Pilzstein, kein Steinpilz
Felsmalereien in Nunguluwurr
Felsmalereien in Ubirr
Das geht so weiter bis ca. 8:30, dann höre ich ein Motorgeräusch durch das Summen der Gelsen hindurch. Der Service (Ritchie aus Jabiru) ist endlich da. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, wieder zum Jeep gehen zu müssen und hier zu übernachten, doch nun ist Hilfe da. Der Mann ist freundlich und kompetent. Ein zweiter Wagen mit zwei dubiosen, Bier trinkenden Typen ist auch dabei. Das ist sowas wie die Body Guard für den Service Officer. Wer weiß, was da im Hinterland alles passiert. Wir fahren mit dem LKW zum Jeep. Das Starten gelingt mit der mächtigen Batterie. Der Servicemann stellt fest, dass die Antriebsscheibe der Lichtmaschine locker ist. Alles klar! Die Batterie wurde während der Fahrt nicht mehr aufgeladen und, wie könnte es anders sein, im abgelegendsten Winkel flat battery. Ich fahre hinter dem Laster zurück nach Jabiru in die Kakadu Lodge. Bloß nicht den Motor abstellen, bevor wir angekommen sind. Morgen werde ich Britz anrufen, wegen eines Autotausches und Ritchie wegen der Reparatur. Etwas Positives am Rande: der Mechaniker nimmt kein Geld von mir; er würde alles direkt mit Britz abrechnen, sagt er. Unsere Stimmung ist ziemlich depressiv, was noch durch die Tatsache gefördert wird, dass ich im Campingplatz den Motor genau vor der lauten Pool-Maschine abgestellt habe. Folglich steht eine schwül-heiße und laute Nacht bevor.

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Di., 07.11.2000
Kakadu NP, Jabiru

Panne, Beim Automechaniker in Jabiru
Jabiru, Kakadu Lodge

07:30, raus aus den "Federn". Frühstück ist gut, wie immer. Kurz nach 8 rufe ich bei Britz an. Die wollen das Auto nicht tauschen, da es ja repariert werden kann. Ich muss da wohl im Kleingedruckten was übersehen haben. Danach rufe ich bei Ritchie an. Der Service kommt auch prompt. Der Jeep wird gestartet, wir fahren zur Werkstädte in Jabiru. Dort wird der nochmals inspiziert und wieder die selbe Diagnose gestellt. Der Ersatzteil ist aber nicht lagernd, muss erst geordert werden. Ich rufe noch einmal bei Britz an und blitze wieder ab. Die Reparatur kann erst morgen Früh gemacht werden, angeblich können wir dann ab Mittag wieder neuen Abenteuern entgegen sehen. Also, Jeep starten lassen und zurück in die Kakadu Lodge. Wir hängen am Swimming Pool rum - auch nicht schlecht. Das hätten wir uns ohne die Panne in dem Ausmaß nicht gegönnt. Am Abend bricht ein tropisches Gewitter los. Wir ziehen uns in den fahruntüchtigen Jeep zurück und genießen die heftigen, von gewaltigen Donnern begleiteten Blitzentladungen und das Trommeln des Regens am Autodach. Der Genuss wird nur durch die undichte Deckenentlüftungsklappe getrübt. Ich stelle einen Topf auf, um zu verhindern, dass die Schlafmatratze nass wird. Ich werde immer mehr sauer auf Britz. Als der Regen aufhört, klettere ich auf das Dach und muss feststellen, dass die Abdeckhaube fehlt. Ich repariere den Defekt mit österreichischen Plastiksackerln.

Coocaburra
Gelbhaubenkakadu

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Mi., 08.11.2000
Kakadu NP, Nourlangie Rock, Gubara, Cooinda

Felsmalereien am Nourlangie Rock, Namandjolg ("Der gefährliche Geist") Felsmalereien am Nourlangie Rock

Um 10 Uhr morgens holt der Servicemechaniker von Ritchie den Jeep ab und verspricht, ihn so um 2 p.m. wieder zu bringen. Wir beginnen unser Tagewerk wieder am Pool. Schon wieder Pech. Heute, an unserem Zwangsaufenthaltstag ist Rasenmähen angesagt. Das gibt jede Menge Benzindämpfe, die durch den Campingplatz treiben. Früher als erwartet, um 1:30 p.m. ist der Jeep wieder zu unserer Verfügung und ab geht's in den Busch. Wir besuchen als Erstes die wirklich bemerkenswerten Felsmalereien der Aborigines beim Nourlangie Rock. Das nächste Ziel sind die Gubara -Teiche. Der 3 km-Marsch durch die Buschlandschaft bringt einen ersten Transpirationsrekord. Trotzdem es ist ein Erlebnis, dass wir nicht missen möchten. Nach einem kurzen Besuch des Vogelparadieses, Anbangbang-Teich, fahren wir in den Caravan Park in Cooinda. Bemerkenswert hier ist, dass es ein äußerst gelsenreiches Gebiet ist. Es gibt also doch noch Steigerungsstufen.

Tagebuch Dschungelpfad

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Do., 09.11.2000
Kakadu NP, Jim Jim Falls, Twin Falls

Eines der häufigen Opfer des Verkehrs
Track zu den Jim Jim Falls
Krokodile?
Pool bei den Jim Jim Falls Pool vor den Twin Falls
Ein Dingo am Straßenrand
Pool bei den Twin Falls

Dieser Tag bringt das ultimative Australia Feeling! Über 60 km Sandpiste und dann noch 12 km 4WD Track führt der Weg zu den Jim Jim Falls. Das letzte Stück muss zu Fuß über einen felsigen Pfad, ca. 1 km, bewältigt werden. Das Ziel rechtfertigt aber auf jeden Fall die Mühen der Anreise. Am Ende des Canyons ist ein Teich, ungefähr 100 m im Durchmesser, umgeben von senkrechten, teilweise überhängenden Felswänden, die sicher weit über 150 m hoch sind. In der Mitte des Kessels fallen zwei feine, sich im Fallen zerstäubende Wassersträhnen vom Cliff herab, die Jim Jim Falls. In der Wet Season sind das dann richtig mächtige Wasserfälle. Das Schönste ist jedoch, dass man in diesem Teich wunderbar baden kann. Wir haben Badezeug dabei. Ich weiß eigentlich nicht warum, aber Elfi hat's in den Rucksack gepackt; weibliche Intuition. Es ist nach dem schweißtreibenden Klettermarsch eine mehr als willkommene Erfrischung. Zurück am Parkplatz gehen wir gleich das zweite Ziel des Tages an.

Auf einer abzweigenden 4WD Route geht es hinüber zu den Twin Falls. Wirklich abenteurlich erleben wir die Flussdurchquerung. Ich bin bis jetzt noch durch kein Gewässer dieses Ausmaßes gefahren. Die Furt durch den möglicherweise krokodilbewohnten Fluss ist an die 50 m breit. Eine Art grob gepflasterte Straße führt hindurch, die beiderseits durch Holzpfähle gekennzeichnet ist. In der Mitte der Furt ist an einem Pfahl eine Messleiste, an der man die Wassertiefe ablesen kann: 60 cm. Die Pflasterung ist stark unterspült. Die tiefen Mulden machen die Durchfahrt richtig aufregend. Vor dem Kühler schiebt der Jeep eine mächtige Bugwelle vor sich her, die einmal sogar auf die Motorhaube überschwappt. Elfi steht das Adrenalin bis unter das Käppi, was man auf ihrer Videoaufzeichnung ganz klar erkennen und hören kann. Ich bestehe nach gelungener Passage auf einer zweiten Durchquerung, damit Elfi Außenaufnahmen machen kann.

Am Ende des Fußweges ist es dann etwas enttäuschend, da die Fälle nur per Boot durch den engen Canyon erreichbar sind. Wir haben dank ungenügender Vorausschau natürlich kein Boot dabei und schwimmen im Krokodilgebiet ist auch nicht das, wonach uns jetzt der Sinn steht. Erst viel später wird mir klar, dass das kein ernstes Problem gewesen wäre. Da gibt es aber Leute, die vom Parkplatz weg in Badehosen und mit Luftmatratzen los marschieren. Die wissen offenbar mehr. Wir wundern uns nur und sind nicht sicher, wer jetzt das richtige Outfit hat; wir im Expeditions-, oder die im Strand-Look.

Bei den Jim Jim Falls
Bei den Jim Jim Falls
Bei den Jim Jim Falls Bei den Jim Jim Falls
Riesige Termitenbauten
Am Weg zu den Twin Falls Wackelige Flussdurchquerung
YouTube:
River Crossing (11,5 MB)
River Crossing
River Crossing (8,36 MB)

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Fr., 10.11.2000
Kakadu NP, Magok Pool, Nitmiluk National Park, Edith Falls

Weg zum Magok Pool noch ausbaufähig der Pfad
Magok Pool
Magok Pool

Die Fahrt zum Purnululu National Park (Bungle Bungle) streichen wir vom Plan. Der Grund sind die zwei verlorenen Tage durch die Panne am Jeep. Außerdem wären die 1500 km sowieso stressig gewesen.

Heute hat es 40°. Die vergangene Nacht war auch schrecklich heiß und viele Gelsen plagten uns. Uns steht der Sinn nach Abkühlung, deshalb fahren wir zum Magok Pool, einem großen Teich, von Felsen umgeben. Ein kleiner Wasserfall ist auch da. Unterwegs entdeckt Elfi eine Schlange in einem Teich, sie ist gut 1 m lang. Laut Auskunft von Einheimischen ist sie harmlos, wahrscheinlich eine Pythonart. Man kann im Magok Pool gut baden. Das Wasser hat sicher auch 30°, aber bei der Außentemperatur ist das durchaus erfrischend. Hier gibt es angeblich Freshies (Süßwasserkrokodile), wir haben aber keine gesehen. Die sind auch harmlos, solange man ihnen nicht auf den Schwanz oder die Schnauze steigt.

Am frühen Nachmittag verlassen wir den Kakadu National Park. Das nächste Ziel ist Edith Falls am Nordeingang in den Nitmiluk National Park. Leider kann man das Innere dieses Parks nur zu Fuß erkunden und das hieße bis zu 60 km marschieren; ein Ding der Unmöglichkeit für uns. Edith Falls ist ein kleiner Wasserfall, der in einen recht großen Teich fließt. Wir schwimmen. Das Wasser ist wieder unglaublich warm. Da wir nicht durch den Park können, werden wir morgen zum Südende fahren. Dort ist ja die Hauptattraktion des Nitmiluk, die Kathrine Gorge.

 

Pandanus mit Fruchtstand Ghostgum und Termiten
Saurierfutter
Nitmiluk NP, Edith Falls

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Sa., 11.11.2000
Nitmiluk NP, Edith Falls, Kathrine Gorge

Pool bei den Edith Falls
Er hat 66 km durch den Nitmiluk NP hinter sich!
Frühstück

Gleich nach dem Frühstück gehen wir wieder baden. ich überrede Elfi, mit mir die 150 m über den Pool zu den Edith Falls zu schwimmen.

Bevor wir abfahren, ergibt sich ein Gespräch mit einem jungen Tramper, der - wie sich heraus stellt - aus Melbourne ist. Er hat einen riesigen Rucksack, ist barfuß und riecht nicht gerade angenehm. Er erzählt, dass er den Nitmiluk National Park durchwandert hat. Man muss sich das vorstellen: 66 km in 6 Tagen bei 40° im Schatten, den es aber nur theoretisch gibt. Er fragt, ob er bis Kathrine mitfahren könnte. Dort wäre sein Auto bei einem Freund eingestellt. Es ist zwar seitens Britz nicht erlaubt, aber wir nehmen ihn mit.

50 km Highway und wir sind da. Der Tramper steigt aus und trabt davon. Wir kehren am Campingplatz bei der Kathrine Gorge ein. Thermometer scheinen ein rares Gut in Australien zu sein. Man bekommt nur selten verlässliche Auskunft über die herrschende Temperatur. Mir kommt es aber so vor, als ob die Hitze von Tag zu Tag noch zunehmen würde. Ich frage am Kiosk, wieviele Grade wir haben. Der Verkäufer blickt nach draußen in den Himmel und meint "38°, oder mehr .. eher mehr!". Ich gehe davon aus, dass wir uns bei 40° - oder mehr - durch den Busch schleppen. Wären da nicht zwischendurch die Abkühlungsmöglichkeiten durch die Klimaanlage im Jeep, oder durch ein Bad in einem Teich, oder Duschen, wäre die Hitze nicht zu ertragen. An der Kathrine Gorge besorgen wir uns Tickets á A$ 33,- für eine zweistündige Rundfahrt mit einem großen Boot. Es ist halt eine waschechte Touristentour. Trotzdem ist die Bootsfahrt durch die beiden ersten Gorges wunderschön und imposant. Von der ersten in die zweite muss man zu Fuß überwechseln und in ein anderes Boot umsteigen. Das wassergefüllte Schluchtensystem ist viele km lang. Man könnte auch Kanus mieten und mit eigener Kraft herum paddeln. Das ist uns aber schon beim Hinschauen zu schweißtreibend. Nach der Bootsfahrt genehmigen wir uns einen kühlen Trunk im vollklimatisierten Visitor Center. Später dann am Campingplatz brauen wir Kaffee. Das tun wir übrigens jeden Nachmittag, sogar unterwegs am Rande des Highway.

Nitmiluk NP, Kathrine Gorge
Nitmiluk NP, Kathrine Gorge

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So., 12.11.2000
Kathrine, Mataranka, Tennant Creek

Hochwasser vor 2 Jahren

Die vergangenen Nacht hat zwar nett begonnen, Vollmond, wenige Gelsen ... aber es reicht ja die berühmte eine. Außerdem wollte es einfach nicht abkühlen und dann kamen die Wallabies. Die waren total zutraulich, ästen im Caravan park und ließen sich sogar berühren. In der zweiten Hälfte der Nacht, wo man vielleicht endlich schlafen hätte können, beginnt die Bande mit unglaublichem Lärm die Abfalleimer zu leeren. Trotzdem, heute ist der 660 km-Sprung von Kathrine nach Tennant Creek am Plan. Etwas mehr als 100 km südlich von Kathrine legen wir einen Zwischenstopp bei den Thermalquellen von Mataranka ein. Inmitten eines Hains von Dattelpalmen fließt klares Wasser mit 34,5°C aus einer Quelle in einen blau gefliesten Pool. Nach dieser "Erfrischung" geht es weiter am Stuart Highway nach Süden. Es ist interessant, wie sich entlang der Strecke die Vegetation verändert, von subtropisch zu immer mehr steppenartig. Wir erreichen Tennant Creek kurz vor 7 p.m., ich tanke den Jeep auf und wir stellen uns beim nächsten Caravan Park ein. Hier sehe ich zum ersten Mal in Australien eine Katze.

Stuart Highway

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Mo., 13.11.2000
Tennant Creek, Devils Marbles, Emerald Tree

Devils Marbles
Devil Marbels
Devil Marbels Devil Marbels
Devil Marbels
Devil Marbels
Devil Marbels

Der Morgen am Campingplatz in Tennant Creek bringt eine tolle Überraschung in Form eines heftigen Gewitters. Gefrühstückt wird im Jeep. Die Wassermengen, die da vom Himmel fallen, sind enorm. Die Hauptstraße von Tennant Creek (d.i. der Stuart Highway) verwandelt sich in einen reißenden Fluss. Sieht sehr ungewohnt aus, wie der Verkehr an der Kreuzung ganz normal abläuft, aber die Autos an die 30 cm in fließendem ziegelroten Wasser. Wir müssen weiter. Bis Alice Springs sind es immerhin noch 640 km. Ich frage entgegen kommende Fahrer, wie die Verhältnisse am Highway sind. Die meinen, es wäre völlig problemlos. Bei uns in Österreich würde man den Notstand ausrufen. Bei der Fahrt nach Süden sehen wir diesmal, wozu die vielen Floodways gut sind. Alle paar km steht ein Schild "Floodway". Dahinter senkt sich die Straße etwas ab. Heute sind die Floodways tatsächlich geflutet. Es ist unvorstellbar, solange man es nicht gesehen hat, welche Ströme quer über die Straße durch den Busch fließen.

Es regnet noch bis hinunter zu den Devils Marbles. In der spirituellen Tradition der Aborigines sind die riesigen abgerundeten Granitwackelsteine die Eier der Regenbogenschlange. Es ist (war?) ein wichtiger Zeremonienplatz der Eingeborenen. Für Österreicher ist's eine überdimensionale Blockheide. Während wir da zwischen den gigantischen Steinkugeln herum klettern, wird das Wetter wieder besser. Es wird schnell wieder heiß, aber hier im Zentrum Australiens ist die Luftfeuchte nicht mehr so hoch und damit die Hitze leichter zu ertragen.

Etwa 80 km vor Alice Springs steht ein Schild: "Central Australien Gemstone Fields". Da muss ich unbedingt hin. Eine 70 km langen Straße zieht sich quer durch das Outback. Die Architektur dieser Straße ist gewöhnungsbedürftig. Sie ist dreispurig. Die mittlere Spur ist asphaltiert (sealed), die beiden äußeren sind Gravel Roads, also Sand- und Schotterpisten. Man fährt in beiden Richtungen in der Mitte und weicht bei Gegenverkehr auf die Seitenspur aus. Ich muss mir den Linksverkehr jetzt ganz besonders bewusst machen, denn einmal nur auf die falsche, nämlich die rechte Seite ausgewichen und die Reise ist zu Ende. Wir kommen heil nach Emerald Tree und wühlen noch eine Stunde vor Sonnenuntergang im Zirkonfeld nach Edelsteinen. Keiner von uns weiß zu dem Zeitpunkt, wie Zirkon überhaupt aussieht, wir buddeln aber trotzdem recht heftig. Ich finde ein paar schöne Stücke Hämatitkristalle ("kristalliner Rost") und begnüge mich damit. Die Nacht verbringen wir hier im Caravan Park Gemtree, da wir im Dunkeln nicht weiter fahren möchten. Morgen früh werden wir nach Alice Springs aufbrechen.

Nach dem Gewitter in Tennant Creek
Churchill Rock
Central Australien Gemstone Fields
Buddeln nach Edelsteinen
Warmwasseraufbereitung in Emerald Tree
Kragenechse

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Di., 14.11.2000
Alice Springs

Stuart Desert Pie
Internet Cafe in Alice Springs
Dornenteufel im Desert Park

Die Nacht in Emerald Tree ist ungewöhnlich kalt. Wir frieren trotz Decken. Doch die Sonne wärmt schnell unsere unterkühlten Gliedmaßen. Auf geht's nach Alice Springs. Wir sind schnell da, ist ja nicht mehr weit. Angekommen, wird erst getankt und dann machen wir einen Einkaufsbummel in der Todd Mall. In einem Internet Service Shop schicke ich Emails an Sabine und in die Firma. Als nächstes steht der Besuch im Stuart Desert Park am Programm. Das ist ein Zoo, der nach den verschiedenen Lebensräumen Zentralaustraliens gegliedert ist. Der ist echt gut und interessant gemacht, gefällt uns ausgezeichnet. Den Abend verbringen wir in einem Caravan Park in Alice Springs bei Donner und Regen. Beides ist hier sehr selten. Welche Freude, dass wir das erleben dürfen.

Am Tropic of Capricornus (Wendekreis des Steinbocks)
Besuch un der Zentrale der Flying Doctors, Alice Springs

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Mi., 15.11.2000
Western McDonnel Ranges

Wildmelonen, ungenießbar
Elfi vor Cycad beim Standley Chasm
Heinz zwischen Cycades beim Standley Chasm
Standley Chasm Standley Chasm

Heute erkunden wir die Western McDonnel Ranges. Die WestMacs sind ein uraltes erodiertes Gebirge. Vor 500 Millionen Jahren stand hier ein Massiv, so mächtig wie die Rocky Mountains oder die Alpen. Die Gesteine, Sandstein und Quarzite, stammen von den Sedimenten eines Binnenmeeres, das den Kontinent vor 800 Millionen Jahren noch bedeckte. Als die Epoche der Dinosaurier am Horizont der Erdgeschichte dämmerte, war dieses Gebirge schon eine Ruine. Heute werden die WestMacs durch mehrere parallel laufende Gebirgszüge gebildet, die durch viele Canyons (Gorges, Schluchten) durchschnitten sind. Oft ganz unscheinbare Flüsschen haben im Laufe der Zeit - viel Zeit - die Bergrücken durchbrochen. In diesen Gaps finden sich wunderschöne, wasserführende Schluchten, manchmal auch Teiche, die ein besonderes Biotop darstellen. Nach diesem kurzen Exkurs in die Geologie zurück zum Tagesgeschehen: Es geht los mit der Wanderung zum Simpsons Gap, dann Standley Chasm und Ellery Creek. Bei der Serpentine Gorge beginnt es zu regnen.

Wir entscheiden uns, das Palm Valley anzusteuern. Das liegt etwa 100 km weiter süd-westlich. In dieser Richtung scheint der Himmel freundlicher zu sein. Nach zwei Stunden Fahrt sind wir an der Südseite des Gebirgszuges bei Hermannburg. Das ist eine Aborigines-Siedlung, benannt nach dem Herkunftsort zweier Deutscher Missionare. Hier zweigt ein 21 km langer 4WD Track durch das Tal des Finke River zum Palm Valley ab. Vor der dritten Flussüberquerung verlässt uns der Mut. Auf der anderen Flussseite ist nicht zu erkennen, wo sich der Track fortsetzt. Es ist bereits eine Stunde vor Sonnenuntergang und es ist kein Mensch weit und breit zu sehen, den man fragen könnte. Wir kehren um. In der Hermannsburg Service Station ist auch niemand anzutreffen, folglich müssen wir zurück nach Alice Springs. Das bedeutet 110 km anstrengende und frustrierende Nachtfahrt.

Spinifex
Rock Wallabie
Wildbienen
Ellery Creek Big Hole
Simpsons Gap Simpsons Gap

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