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Route:
Route 2004
 05. - 06.11.2004: Flug Wien >> Sydney
07.11. - 05.12.2004: Sydney >> Flinders Ranges >> Red Center
06.12.2004: Flug Alice Springs >> Canberra
06. - 08.12.2004: Canberra
08.12.2004: Flug Sydney >> Wien
 
Tagesnotizen:
Nov.:             05-06 07 08 09 10 11 12 13 14 15
16-17 18 19 20 21 22 23 24 25-26 27-28 29-30
Dez.: 01-02 03 04 05 06-07-08
 

Fr., 05.- Sa., 06.11.2004
Wien-Sydney

Wir starten unseren vierten Besuch des roten Kontinents. Um 11:00 ist planmäßige Abflugzeit mit Lauda OS 001, Wien - Kuala Lumpur - Sydney, 20 Stunden Flugzeit. Wir bemühen uns um eine 2-er-Reihe, Exit wäre noch besser. Zwecks Stressminimierung hatten wir schon am Vortag eingecheckt. Im Flugzeug gibt's eine Überraschung. Die haben die Bestuhlung der Boing 777 geändert, von 2-4-2 auf 3-3-3; d.h. wir sitzen zwar am Fenster, ich bin allerdings auf einem Mittelsitz eingezwängt. Das hasse ich schon auf Kurzflügen, z.B., Wien - München, das hier wird eine Tortur. Na ja, möchte die Qualen nicht weiter beschreiben. Es geht vorüber. Am Samstag, ca. 19:00 Lokalzeit, 7 p.m. muss ich hier sagen, sind wir in Sydney. Geschafft! Ein Taxi mit einem netten dunkelhäutigen Lenker bringt uns zum Hotel Ibis in der Pitt Street, Nähe Darlington Harbour. Das Hotel ist drittklassig, aber was soll's, ist ja nur für eine Nacht. Die zehnstündige Zeitverschiebung versetzt uns in den üblichen Verwirrungszustand. Ist es nun helllichte Nacht, oder Tag mit starkem Schlafbedürfnis? Wir duschen und schlendern noch durch das abendliche Sydney. Am Darling Harbour nehmen wir einen Drink und bestaunen die hiesige Mode. Dann geht's zurück ins Hotel und schlaaafen!

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So., 07.11.2004
Sydney-Pebbly Beach

Erste Pause südlich von Sydney
Entspannung vor der großen Reise
9 a.m., Frühstück im Ibis, English Breakfast, der Hunger ist ganz außerordentlich. Um 10 soll der Taxler von gestern erscheinen, wie vereinbart. Ich rufe ihn noch sicherheitshalber an, er kommt aber nicht, hat wahrscheinlich eine einträglichere Tour. Also fahren wir mit einem anderen Taxi zum Britz Office in der Nähe des Flughafens. Die Übernahme des Campervans dauert ziemlich lange, viel zu wenig Personal da. Ich plaudere mit zwei Mädels, einer Steirerin und ihrer Deutschen Freundin. Sie wollen die Ostküste hoch bis Cairns und dann weiter nach Alice Springs quer durch die Wüste. Vielleicht treffen wir sie ja dort wieder. Um die Mittagszeit können wir endlich mit dem Camper aufbrechen. Die Karte von der lokalen Umgebung ist schlicht falsch. Wie schon früher mal, geht's hin und her, umdrehen, suchen, ..., irgendwie schaffen's wir dann doch den Princess Highway zu finden, auf geht's in Richtung Süden. In Wollongong kaufen wir Lebensmittel ein, ein paar km weiter konsultiere ich noch einen Bottle Shop, Bier und eine Flasche Rotwein müssen auch noch mit. Unser erstes Ziel ist Pebbly Beach, ca. 300 km südlich von Sydney. Da wir traditionsgemäß einen Kaffee-Stopp einlegen, erreichen wir Pebbly Beach erst in der Dämmerung, um ca. 6 p.m.. Wir stehen am selben Platz, wie vor vier Jahren. Ich versuche Feuer zu machen, was mir nur recht und schlecht gelingt, da das Holz feucht ist. Es dürfte kürzlich geregnet haben. Wir sitzen vor dem Feuerchen und leeren die Weinflasche, essen Nüsse dazu. Übrigens, es ist nicht allzu warm hier, höchsten geschätzte 20°. Wir richten unser Bett im Camper und gegen 11 gehen wir schlafen, genießen die erste Nacht "on the road".
Campingplatz bei der Pebbly Beach
Nassholzlagerfeuer

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Mo., 08.11.2004
Pebbly Beach

Küste bei Pebbly Beach
Lilien
Königskerze Kala
Frühstück am Campingplatz bei Pebbly Beach: Kaffee, weiche Eier, Toastbrot, Butter, spanische scharfe Salami, Schinken, Marillenmarmelade, Paradeiser, Paprika. War recht ordentlich. Wir beschließen entgegen der ursprünglichen Planung, hier den ganzen Tag und eine weitere Nacht zu verbringen. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass wir von der netten älteren Dame, die die Camping Fee kassierte, um 7:30 geweckt wurden. War gut so, sonst würden wir immer noch schlummern. Das Wetter ist nicht so toll. Am Strand weht ein kühler Wind vom Meer her und Wolken bedecken zeitweilig die Sonne. Aber es ist trotzdem wunderschön hier. Wir erforschen die Bay, faulenzen, ich schreibe im Tagebuch. Die Sittiche und die Kängurus sind unglaublich zutraulich. Die sind gewohnt, dass sie hier von den Menschen Futter bekommen und das fordern sie auch ein.

Am Rand der Bucht, wo steile Felswände aufragen, habe ich Fossilien gefunden. Es dürfte sich um Brachiopoden handeln. Da ist auch eine seltsame ovale Einlagerung im Gestein, ca. 1,5 m breit und 70 cm hoch. Es ist die einzige dieser Art in der ganzen Wand, ich habe keine Ahnung was das sein könnte.

Kurz nach 5 p.m. mach ich wieder Feuer. Diesmal gelingt es besser, da ich bei Tageslicht ausreichend trockene Zweige gesammelt hatte. Damit schaffe ich eine Glut, mit der ich dann auch die großen feuchten Holzscheite entzünden kann. In der viereckigen Pfanne werden die vier Bratwürste zubereitet, dann kommt Wasser hinein und zwei Maiskolben garen im Dampf. Wir essen dazu Salat und trinken VB (Victoria Bitter). Morgen werde ich früher aufstehen, um zu meditieren; d.h. ich werde es versuchen. Da es am Campingplatz Pebbly Beach nur eine kalte Tröpferldusche gibt, genehmigen wir uns vor dem Schlafengehen nur eine Katzenwäsche, kaltes Fußbad, Feuchttücher, ... und ab ins Bett.

Wie der Name schon sagt ... Pebbly Beach
Fossiles Ufo? :-)
Känguruh mit Jungem
Königssittich
Pennantsittich

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Di., 09.11.2004
Pebbly Beach, Victora

Schnorrer
Relaxing vor der Weiterfahrt
Sonnenaufgang über der Pebbly Beach. Ich muss mal raus und wenn ich schon auf bin, kann ich ja gleich meine Meditation angehen. Es ist mir doch noch zu früh und meine Stimmung ist noch nicht soweit, deshalb beschließe ich, am Strand spazieren zu gehen. Elfi schläft noch. Es ist ziemlich kühl und bewölkt, manchmal nieselt es sogar leicht. Nicht sehr einladend, doch am Strand ist es trotzdem sehr schön. Die aufgehende Sonne färbt den Himmel in rosa und orange Pastelltönen. Die Musik der Brandung unterstützt das Aufkommen einer tollen Stimmung. Kaltes Wasser über die Füße und ins Gesicht, das sollte mich richtig munter machen. Ich setzte mich in den Campingstuhl, die Beine lege ich auf den anderen. Mein Kopf ruht bequem in der Rückenlehne. Ich entspanne mich. Mir wird aber von Minute zu Minute immer kälter, es ist echt unangenehm. Jetzt stechen mich auch noch Gelsen am Handgelenk und in der Kniekehle. Nein, so geht das nicht. Ich gehe wieder in den Camper und wärme mich unter der Decke. Irgendwann nach 8 beginnen wir unser Tagewerk. Gefrühstückt wird im Auto, weil es draußen zu unfreundlich ist. Danach wird alles abfahrbereit aufgeräumt. Um die Mittagszeit gehen wir noch ein letztes Mal in die Bucht hinunter. Die Ebbe hat den Tiefststand erreicht. In den Spalten und Höhlungen der Felsplatten finden sich unzählige schöne Schneckengehäuse. Elfi will alle mit nehmen. Wir schießen noch ein paar Fotos mit den Sittichen und brechen dann zur Weiterfahrt auf.

In Mogo halten wir. Das ist eine kleine Stadt, die im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten wird. Wir kaufen zwei Hüte für Elfi und eine Sonnenbrille für mich, damit ist die Ausrüstung nun komplett. Wir legen gut 300 km zurück. Unterwegs ist nicht viel los. Bei Eden wollen wir übernachten. Es ist 5 p.m.. Wir fahren 18 km Gravel Road abseits zu einem Resort, wo es aber nur Cabins gibt. Also wieder zurück und weiter am Princess Highway Richtung Süden. Wir überqueren die Grenze zu Victoria und finden kurz vor Sonnenuntergang einen Caravan Park bei Cann River. Endlich wieder eine warme Dusche. Das tut gut und war auch schon sehr notwendig. Da wir unterwegs Fish /n Chips gegessen hatten, wird am Abend das Jausenmenü verzehrt, Kaffe und Kuchen. Ich prüfe, ob es hier GMS gibt. Ja, klappt tadellos. Es ist aber keine Nachricht in der Voice Box. Schlafen.

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Mi., 10.11.2004
Cape Conran, Yarram

Rieseneukalyptus, Cann River Königssittich und Lorikeet
Lorikeet im Pfeifenputzerstrauch
Ninty Mile Beach
Rund um den Caravan Park bei Cann River stehen riesige Eukalypten mit bis zu 2 m Stammdurchmesser. Wir spazieren nach dem Frühstück noch etwas im Park und begeben uns dann auf die Weiterfahrt. Das Wetter ist besser geworden, die Bewölkung nimmt immer mehr ab, endlich scheint die Sonne wieder. An diesem Tag legen wir eine beachtliche Strecke zurück, sodass am Ende 1060 km seit Sydney hinter uns liegen.

Sehenswürdigkeiten unterwegs: Cape Conran, Wanderung im Regenwald (Thurra River, Drummer Walk), Ninty Mile Beach (Elfi sammelt weiter Muscheln), Lake Entrance, Kaffeepause am Snowy River. In Yarram, ca. 120 km vor dem Wilsons Promontory National Park, übernachten wir. Abendessen: Curry-Huhn mit Gemüse.

Thurra River, Drummer Walk Thurra River, Drummer Walk
Baumfarne Der Grund für die Wegsperre
Thurra River, Drummer Walk Thurra River, Drummer Walk

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Do., 11.11.2004
Wilsons Promontory, Melbourne, Torquay

Wilsons Promontory National Park
The Prom
The Prom, Whiskey Beach Agnes Falls bei Toora
Die letzte Nacht war nicht so toll. Wir konnten beide nicht gut schlafen. Die Zeitverschiebung scheint noch nicht vollständig verkraftet zu sein. Das Wetter ist wieder schlechter geworden, es regnet leicht. Nach dem Frühstück fahren wir los und diskutieren, ob wir den Wilsons Promontory National Park ("The Prom") wegen des schlechten Wetters auslassen sollen. Wir entschließen uns dann aber doch in die Prom zu fahren. Unterwegs machen wir einen Abstecher zu den Agnes Falls bei Toora. Die Prom erweist sich als landschaftlich sehr reizvoll. Überall blühendes Buschdickicht, Granitberge und Buchten mit Sandstränden, z.B. die Whiskey Beach. Bei Tidal River wandern wir zur Beach. Der Regen hört leider nicht auf. Deshalb beschließen wir, entgegen des Plans hier zu übernachten, weiter in Richtung Melbourne zu fahren.

Während der Fahrt wird der Regen immer stärker. Im stop-and-go-Verkehr am Princess Highway in den Vororten von Melbourne vergeht uns die Lust an einer Stadtbesichtigung zusehends. Die 40 km durch die Stadt bei dichtem Verkehr und strömendem Regen sind zermürbend, zumindest für mich hinter dem Steuer. Erschwert wird das Vorhaben Melbourne-Durchquerung durch die Tatsache, dass wir keinen Stadtplan dabei haben. Im Shop der Tankstelle gibt es auch keine Karte zu kaufen. Also manövriere ich nach Gefühl unter Berücksichtigung der wenig aussagekräftigen Wegweiser. Wir kommen am Stadtzentrum vorbei. Ein blauer Wolkenkratzer wird von Elfi durch die nasse Windschutzscheibe hindurch dabei gefilmt, wie er im Schneckentempo vorbei zieht. Danach wird's chaotisch; ich weiß nicht mehr, wo's lang geht. Bei den schlechten Lichtverhältnissen kann man nicht mal die Himmelsrichtung ausmachen. Ich bin kurz davor, den Kompass aus dem Gepäck heraus zu kramen. Ein Taxi als Lotsen anzuheuern, wäre auch eine Idee. Meine intuitive Navigation bringt uns schließlich, wider erwarten, zurück auf den Princess Highway auf der anderen Seite von Melbourne. Es passiert einfach. Wegweiser bestätigen die Annahme, dass wir auf der richtigen Seite aus der Stadt heraus gekommen sind.

Noch 40 km bis Yeelong, dann die Abzweigung nach Süden zur Great Ocean Road. In der ersten Stadt an der Küste, Torquay, kehren wir im Caravan Park ein. Hier kostet eine Nacht gleich fast doppelt soviel, A$ 26,-; am letzten Platz hatten wir nur 14 zu bezahlen. Es muss hier extrem stark geregnet haben, da überall Wasser steht und aus einem Gully ein Strom hervor quillt. Zum Abendessen gibt's Hamburger auf Toastbrot und marinierte Paprika. Schmeckt alles köstlich. Zur Abrundung trinken wir VB dazu. Wir sind wieder exakt im Zeitplan.

 

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Fr., 12.11.2004
Twelve Apostels, Warrnambool

Loch Ard Gorge / Island Archway
Der Ozean löst die Kalksteinküste langsam auf
Die ehemalige London Bridge (1990 eingestürtzt)
Das Wetter ist wieder besser geworden. Die Sonne kommt durch und die Wolken sehen nicht mehr so bedrohlich aus. Wir sind guter Dinge und fahren die Great Ocean Road in Richtung Westen. Die Küste ist wundervoll. Es gibt viele nette Orte, überall Blumen und blühende Büsche, Alleen aus Zedern, ein Strand nach dem anderen. Am späten Vormittag machen wir eine Pause. Wir haben einen Strand für uns alleine. Elfi nimmt ein ausgiebiges Sonnenbad. Sie ist schon rundum knallrot. Sieht nach Sonnenbrand aus, was sie allerdings verneint. Kurz nach 12 geht's weiter auf die Hauptattraktion zu, die Twelve Apostels. Hier gibt es viel zu sehen: Phantastische Felsformationen, die Steintürme im Meer (sind keine 12 und werden auch immer weniger. Anmerkung: 2005 und 2009 ist je einer eingebrochen), Brandung tost durch Höhlen im steilen Kliff, aber auch viele Menschen und Hubschrauber kreisen unentwegt über dem Gebiet. Am Wegrand geht ein Echidna seinem Tagewerk nach, Ameisen und Termiten auszubuddeln und zu futtern. Er ist völlig unbeeindruckt von den vielen Kameras, die ihn aus allen Richtungen fotografieren und filmen. Da kommt ein Wettersturz. Wir schaffen es gerade noch trockenen Hauptes ins Auto. Draußen bläst ein scharfer Wind und es beginnt zu regnen. Wir fahren zum nächsten Aussichtsplatz weiter. Hier warten wir den mittlerweile heftigen Regen ab. Wir machen noch zwei Besichtigungen bei stürmischem Wind und Kälte (14°?). So macht's keinen Spaß. Es beginnt wieder zu regnen; der Himmel ist 100% bewölkt.

Wir fahren weiter und wollen sehen, wie weit wir bis spätestens 7 p.m. kommen. Wir erreichen das Ende der Great Ocean Road, sind wieder am Princess Highway. In Warrnambool finden wir einen netten Caravan Park. Wir kehren ein und wickeln das Abendritual ab. Es gibt Spagetti mit Tomatensauce. Der Dauerregen und die Kälte wirken deprimierend. Ich würde am liebsten so schnell wie möglich nach Norden in wärmere Gefilde eilen. Wir werden ja sehen, wie sich das Wetter weiter entwickelt.

Mir wird eben bewusst, dass wir vor genau einer Woche am Flughafen Wien die Reise begonnen hatten.

Zeichen im Sand (Gibbson Stairs)
Die 12 Apostel
Die 12 Apostel

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Sa., 13.11.2004
Grampian NP, Mnt. Gambier

Grampians NP, Pflichtfoto " Elfi am Balkon"
Grampians NP, Pflichtfoto " Heinz am Balkon"
Ein Blütensee
Wir verlassen Warrambool. Das Wetter ist sehr wechselhaft. Wir fahren aber trotzdem nach Norden in den Grampian National Park. Es sind vom Princess Highway 200 km hin zum Park und 200 zurück. Unterwegs ärgere ich mich wieder einmal darüber, dass man es in Australien - nicht nur in Sydney - nicht schafft, die Landschaft an die Karten anzupassen, bzw. umgekehrt. Wir finden den Weg aber trotzdem. Das Wetter spielt verrückt, mal Regen, mal Sonne, stürmischer Wind. An der Rezeption erfrage ich die Wettervorausschau. Es wird übers Wochenende regnerisch bleiben, aber je weiter nach Norden und weg von der Küste, umso größer die Wahrscheinlichkeit auf Sonnenschein. Der Grampian NP muss bei Schönwetter wundervoll sein. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten und Möglichkeiten zu wandern. In der Kaffeepause am Lookout beim Lake Bellfield "kämpfen" wir mit den Sittichen um unser Brot. Die sind echt lästig, aber in der Art wie sie uns bedrängen ganz lieb. Eine regenfreie Stunde, na ja, fast regenfrei, erlaubt uns die Victoria Balconies zu besichtigen. Dadurch gelingt es uns die wichtigsten Grampians-Fotos zu schießen: "Elfi am Balkon" und "Heinz am Balkon". Nach dieser kurzen Wanderung fahren wir am Henry Highway wieder zurück nach Süden. Für mindestens 100 km sind wir alleine auf der Straße. Das ist ein entspanntes Fahren, bis auf die störenden Windböen. Der Camper ist wegen seiner Höhe leider sehr windempfindlich.

Wir steuern direkt Mnt. Gambier an, die erste größere Stadt an der Küste in South Australia. Beim Wechsel von Victoria nach South Australia haben wir einen Zeitsprung von 1/2 Stunde. Jetzt ist die Differenz nur noch 9,5 Stunden vor MEZ. Um 7 p.m. Lokalzeit sind wir in einem Caravan Park in Mnt. Gambier. Die Stadt bietet einige interessante Sehenswürdigkeiten, die bekannteste ist der "Blue Lake". Die Stadt ist direkt auf und um einen uralten, längst erloschenen Vulkan gebaut. In der Nähe des Stadtzentrums sind einige Kraterseen. Einer davon färbt sich jeden Frühling total blau, deshalb der Name. Warum das so ist, weiß man nicht so genau. Morgen werden wir uns das alles ansehen.

Man grüßt und bespricht sich
Video cuts

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So., 14.11.2004
Mnt. Gambier, Kingston

Mnt Gambier, Blue Lake
Mnt Gambier, Green Lake Opossum im Sinkhole
Mnt Gambier, Sinkhole Mnt Gambier, Sinkhole
Mnt. Gambier. Es ist noch immer kalt und verregnet. Als erstes wollen wir die Höhle sehen, die ist aber erst ab 10:00 geöffnet, also kommt die 2. Sehenswürdigkeit davor dran, das Sinkhole. Das ist ein kraterartiges Gebilde mit steilen Wänden, gut 50 m im Durchmesser und 15 m tief, entstanden vor langer Zeit durch den Einsturz einer Höhlendecke. Unten ist ein wunderschöner Garten angelegt, ein Teil der Wände ist von dichten Vorhängen aus Efeu bedeckt. Es führt ein gesicherter Steig hinunter, an kleinen Seitenhöhlen vorbei, in denen Opossums leben. Die sind an Menschen gewöhnt und lassen sich streicheln und füttern. Man sieht denen das leibliche Wohlergehen auch an. Das Sinkhole ist eigentlich eine Abendattraktion, aber da werden wir schon wo anders sein. Als nächstes fahren wir hinauf zu den Kraterseen. Der Blue Lake hat einen Umfang von 5 km und ist 70 m tief. Die Kraterwände über dem Wasser sind steile 40 m hoch. Trotz fehlendem Sonnenschein ist er wirklich strahlend blau. Der kleinere See nebenan ist macht da nicht mit, er ist deutlich grün.

Wir setzen die Reise fort, verlassen 50 km nach Mnt. Gambier den Princess Highway bei Millicent und fahren direkt an der Küste 90 km weiter bis nach Kingston. Kurz vor Millicent besichtigen wir noch die Tantanoola Cave, eine Tropfsteinhöhle im Dolomitgestein. Sie ist nicht besonders groß, enthält aber schöne bunte Tropfsteingebilde. An der Küste kommen wir durch kleine Fischerorte, wie Beachport und Robe. An der Straßenseite entdecken wir zwei Echidnas im Abstand von nur 50 m. Die werden natürlich ausführlich fotografisch dokumentiert. In Kingston gibt es den berühmten Riesen-Lobster zu bestaunen. Das ist eine übergroße naturgetreue Nachbildung der Languste, gut 6 m hoch, die Fühler nicht mit gerechnet. Sie dient als Blickfang für das Restaurant. Wir haben Hunger, also nichts wie hinein. Aber schon wieder Pech. Sie haben diese Tage keine Lobsters, erst wieder am Dienstag. So lange wollen wir auf das Essen nicht warten. Da draußen im Ozean ist das Hauptfanggebiet dieser bedauernswerten Krustentiere, aber grad heute gibt's keine für uns; Pech eben.

Zypressenallee
Echidna zur Abwehr eingebuddelt
Tantanoola Caves
Riesenlanguste in Kingston
Echidna Nahe am Strand kehren wir in einen Caravan Park ein. Es ist 6 p.m.. Elfi entdeckt einen weiteren Echidna, der vor dem Park über die Straße läuft. Der Strand hier ist übrigens nicht so toll, es stinkt von dem faulenden Tang, der überall rum liegt. Das ist halt keine Gegend für Bade-Touristen, sondern für Fischer und Lobster-Liebhaber, die den richtigen Tag kennen. Morgen steht wieder eine längere Fahrt am Programm, ca. 300 km bis nach Kangaroo Island. Das Wetter ist immer noch stark windig und regnerisch. Im Raum Adelaide soll es aber angeblich 34° haben.

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Mo., 15.11.2004
Kingston-Kangaroo Island

Rosa See
 
Der Tag ist schnell erzählt. Die Fahrt von Kingston nach Kingscole auf Kangaroo Island überbrückte 500 km. Unterwegs war nicht viel los. Na ja, ein kitschig rosaroter See ist auch nicht alltäglich. Südlich von Adelaide ist's wieder mal so, dass die Gegend nur so in etwa zur Karte passt. Die Karte vom Südburgenland wäre genau so gut brauchbar hier. Um 4 p.m. finden wir dann doch nach Cape Jervis, von wo die Fähre nach Kangoroo Island abgeht. Die 6-Uhr-Fähre ist schon ausgebucht. Wir sind nur auf Warteliste und fix für die Fähre um 7 gebucht. Es ist unglaublich, was auf so ein Schiff drauf geht, Lastzüge, Campers und PKWs in jeder Menge. Um 7 klappt's dann. Die ca. 20 km sind in 45 min überwunden. Inselseitig kommen wir in Penneshaw an. Es ist schon spät, die Sonne wird in einer halben Stunde untergehen. Wieder muss ich zur Kenntnis nehmen, dass man in Australien Kartenwerke nur als ungefähres Abbild der Wirklichkeit ansieht. Laut Karte sollte es in Penneshaw einen Caravan Park geben; in der Wirklichkeit finden sich aber nur bauliche Reste eines solchen. Also fahren wir noch weitere 60 km bis Kingscote. Es ist schon dunkel, was erhöhte Gefahr auf den Straßen bedeutet. Es gibt hier viele Kängurus, wie der Name der Insel schon vermuten lässt, die gerade abends auf Futtersuche unterwegs sind. In Brownlow, kurz vor Kingscote, finden wir einen Caravan Park. Hier übernachten wir. Es wird nachts unglaublich kalt. Am Weg zu den Toiletten stelle ich fest, dass die Wolken weg sind. Der Himmel ist sternenklar. Es ist ein phantastischer Anblick. Am auffälligsten ist das Sternbild Orion und Sirius, der fast im Zenit steht; die Milchstraße mit Blick auf das Zentrum unserer Galaxis, das Kreuz des Südens, alpha Centauri, etc.
Fähre nach Kangoroo Island bei Cape Jervis Kangoroo Island, Strand bei Penneshaw
Unter dem Schafetransporter Pelikane

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Di., 16.- Mi., 17.11.2004
Kangaroo Island

Kangaroo Island, Seal Bay Grasbaum
Seal Bay Heuler
Koala Kangaroo Island -Känguruh
Der morgendliche Versuch zu meditieren fällt wieder mal der Kälte zum Opfer. Der Himmel ist wolkenlos. Nach dem Sonnenaufgang kann man endlich wieder die wärmende Strahlung des Tagesgestirns genießen. Erstmals gibt es zum Frühstück kein weiches Ei, wir hatten vergessen Eier einzukaufen.

Das erste Ziel auf Kangaroo Island ist Emu Bay im Norden der Insel. Dort wird ausgiebig in der Sonne gebadet, obwohl die Luft, vom Wind bewegt, noch recht kühl ist. Danach fahren wir weiter an die Südküste, zur Seal Bay. Da nehmen wir an einer guided tour teil, um die Seelöwen am Strand zu beobachten. Die haben einen guten Platz hier. Felsenriffe vor der Küste halten die Killerwale ab, sodass die Jungen hier in relativer Sicherheit aufwachsen können. Die Population beläuft sich auf ca. 600 Exemplare, leider abnehmend. Als nächstes steht der Flinders Chase National Park am Plan. Im Visitor Center, wo die Fee zu entrichten wäre, hat das Office schon geschlossen. Wir können zu Null Kosten in den Nationalpark hinein fahren. Wir kommen als erstes zu den Remarkable Rocks. Das ist ein alter verwitterter Granitschlot, erstarrtes Magma eines Vulkans, der nicht zur Eruption kam. Unglaubliche Formen sind hier zu sehen. Es hat den Anschein, als ob ein moderner Bildhauer seine überdimensional großen Skulpturen auf einer Granitkuppel zur Schau stellen würde.

Kangaroo Island, Remarkable Rocks
Mickey Mouse?
Remarkable Elfi
Eagle Rock
Am Cape du Conedic
Seelöwen unter dem Admirals Arc
Ganz in der Nähe, gleich ums Eck, was hier 10 km bedeutet, ist das Cape Du Conedic. Da steht ein Leuchtturm zur Warnung der Schiffer vor der gefährlichen Küste. Unter einem riesigen Felsbogen, dem Admirals Arc, tummeln sich Seelöwen in der gewaltigen Brandung und liegen zum Sonnenbaden auf den umliegenden flachen Felsen. Im Western Kangaroo Island Caravan Park gehen wir schließlich für die zweite Nacht vor Anker. Am Morgen gehen Kängurus im Campingbereich herum und futtern ein paar Leckerbissen. Die jungen Bäume sind gegen die Tiere mit einem Gitter geschützt. Gleich neben dem Auto sitzt ein Koala am Baum. Nach dem Frühstück wandern wir am Koala Walk, der gleich neben dem Campingplatz beginnt. Da sind tatsächlich viele Koalas in den Eukalypten zu sehen. Danach fahren wir zurück zum Visitors Center, denn dort beginnt der Platybus Waterholes Track. Das Wetter ist jetzt sonnig und heiß. Der Weg ist insgesamt 4,5 km lang, inklusive einer 1,5 km langen Schleife, von der weg einige Pfade zu Beobachtungsplattformen an kleinen Teichen führen, die durch einen Fluss verbunden sind. Leider sehen wir keine Schnabeltiere, nur einen Bau am Flussufer konnten wir entdecken.
Wir machen uns auf den Weg zurück nach Penneshaw, ca. 150 km, wo wir morgen um 08:30 die Fähre zurück aufs Festland erreichen wollen. Wir müssen spätestens um 8 Uhr einchecken, d.h. früh aufstehen. In Penneshaw gibt es aber keinen Caravan Park, wie wir schon am Montag feststellen mussten. Wir stellen uns an den Strand gleich neben dem Anlegeplatz der Fähren. Da ist ein Parkplatz und gleich nebenan ein Park mit sauberen Toilettenanlagen; wie praktisch. Ein kleiner Bereich des Strandes ist gekennzeichnet, Hier gehen am Abend die Zwergpinguine an Land, um ihre Jungen zu füttern. Die Jungen sind tagsüber in den kleinen Höhlen und warten dort auf die Rückkehr der Eltern. Über dem Arial ist ein breiter Holzsteg angebracht, von dem aus man das abendliche Geschehen beobachten kann; natürlich nur gegen A$ 15 pro Nase. Die Besichtigungszeit ist ab 8:30 p.m. für eine Stunde. Es kommen tatsächlich eine Menge Leute. Nicht alle können ihren Mund halten, was aber wichtig wäre, um die Tiere nicht zu stören. In der Dämmerung kommen die Jungen aus ihren Höhlen heraus, man merkt ihnen die Aufregung an, einige rufen laut. Manche machen nur Gymnastik mit den Schwimmflügeln, andere streiten mit den Nachbarn, einer geht sogar den Weg zum Strand hinunter, den ankommenden Pinguinen entgegen. Der muss wohl besonders hungrig sein. Die Frau vom Office leuchtet mit einer Rotlichtlampe herum, damit man besser erkennen kann, was die Vögel da unten treiben. Dann kommt die letzte Fähre an, was das Anlandgehen der Pinguine sicher verzögert. Wir leiden unter den Gelsenangriffen, ich bin schon flächendeckend an Armen und Beinen zerstochen. Erst wie es ganz dunkel ist, hört die Gelsenplage auf. Da kommen endlich die Pinguine. Im Schein der Lampe kann man am Strand eine ganze Truppe aus der Brandung an Land gehen sehen. Es müssen ca. 30 sein. Jetzt wird uns klar, dass das eigentlich eine Tierquälerei ist. Die Pinguine wagen sich nicht hinauf zu den Nesthöhlen, wo die Jungen warten, solange die Menschen auf dem Steg herum gehen und lärmen. Der Steg ist zwar mit einer dämpfenden Matte belegt und Fotografieren mit Blitzlicht ist untersagt. Aber man kann ja sehen, dass die Elternpinguine sich da unten in den Büschen in Warteposition begeben und die Jungen müssen hungrig bleiben, bis die Menschen endlich weg sind. Wir verlassen die Plattform und sind voller Mitleid mit den Kleinen, die das täglich zu ertragen haben. Die Fähre steht voll beleuchtet am Steg und wird morgen als erste übersetzten. Hoffentlich verschlafen wir nicht.

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Do., 18.11.2004
Adelaide, Barossa Valley

Barossa Valley
Barossa Valley
Der Achtzehnte, Elfis Geburtstag. Wir haben nicht verschlafen, sind um 05:30 auf und beginnen die Morgenprozedur abzuwickeln. Die Fähre von gestern Abend ist weg, die muss wohl doch noch nachts übergesetzt haben. Der Himmel zieht sich wieder ein und es beginnt leicht zu regnen; in der Ferne blitzt es sogar. Die Überfahrt passiert pünktlich und problemlos. Das Hineinfahren in die Fähre im Rückwärtsgang ist stressig. Ich werde auf eine der sechs Spuren eingewiesen. Neben uns steht ein Laster, der in zwei Etagen mit Rindern beladen ist. Ein Schaftransport steht auch an Bord. Von Cape Jervis fahren wir nach Norden. Adelaide wollen wir einfach nur durchqueren, was auch nach einigen Umwegen gelingt. Die Kartenungenauigkeit schlägt wieder zu. Auf diese Weise lernen wir die NE-Suburbs kennen, eine noble Wohngegend. Wir sind durch und fahren weiter ins Barossa Valley. Gawler ist die Stadt am Eingang, Lyndoch der erste Weinort. Gawler ist zwar eine hübsche Stadt, wir haben aber wieder Orientierungsstress. Gleich nach Lyndoch besichtigen wir das Chateau Barrosa (kein Schreibfehler!), das von einem wundervollen Rosengarten umgeben ist. Die Artenvielfalt, Rosen aus aller Welt ist beachtlich. Auf der Fahrt durchs Barossa Valley bewundern wir die gepflegten Weingärten, deren Straßenfronten kilometerlang mit roten Rosen gesäumt sind. Nach Nurioopta ist das Weinbaugebiet zu Ende. Über Kapunda fahren wir weiter nach Norden durch das Clare Valley, ein weiteres, weniger berühmtes, Weinbaugebiet. In Clare findet sich ein guter Caravan Park. Erst wird Wäsche gewaschen, dann Bratwürstel gegrillt. Dazu trinken wir Wein aus dem Barossa Valley und stoßen mit Sekt auf Elfis Geburtstag an.
Rosengarten beim Chateau Barrosa
Chateau Barrosa Chateau Barrosa
Chateau Barrosa Chateau Barrosa

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Fr., 19.11.2004
Flinders Ranges, Wilpena Pound

 
Flinders Ranges
Anfahrt zum Wilpena Pound
Der Highway 82 - auf der Karte hat er die Nummer 83, stimmt ja wenigstens ungefähr - bringt uns weiter nach Norden in Richtung Flinders Ranges. Da müsste es ja endlich wärmer werden. Die Strecke des heutigen Tages geht von Clare über James Town, Orroroo, Carrieton nach Hawker zum Südende der Flinders Ranges. Von da fahren wir noch 60 km nach Wilpena in den Wilpena Pound. Das ist ein uraltes abgetragenes Gebirge, das topologisch einer Schüssel ähnlich ist. Der Weg nach Hawker führt durch eine Gegend, die durch endlose Hafer- und Gerstefelder und auch Weideland gekennzeichnet ist. Die Farmen müssen riesig sein. Weit verstreut, abseits der Straße, sieht man hin und wieder die Farmerhäuser in der Ferne. An den winzigen Orten fällt uns eine Gemeinsamkeit auf. Egal wie klein so ein Ort ist, es gibt zumindest eine schöne Kirche, ein Hotel und ein Pub. Die Straße ist gut ausgebaut, scheint frisch asphaltiert zu sein. Es ist kaum Verkehr, sodass ich mit bis zu 130 km/h dahin rasen kann.
Auf der Straße, noch vor Hawker, haben wir ein ergreifendes Erlebnis mit einem Raubvogel. Hier gibt es die Wingtailed Eagels. Sie sind nicht ganz so groß wie ein Bussard, sehen eher wie übergroße Falken aus. Mitte auf der Straße vor uns versucht so ein Adler eine offenbar bereits tote Schlange, wahrscheinlich überfahren worden, in seinen Fängen hoch zu heben. Die Schlange ist sicher über 1 m lang. Es sieht seltsam aus, wie der Adler heftig flatternd langsam hoch steigt und die Schlange unter ihm baumelt. Er hat große Mühe, an Höhe zu gewinnen. Als wir vorbei brausen, lässt er die Schlange fallen. Etwa 50 m weiter wende ich und fahre langsam zurück. Wir hoffen, dass sich das Schauspiel wiederholt und wir Fotos oder Videoaufnahmen machen können. Da kommt ein Auto aus der Gegenrichtung und rast an der Stelle vorbei. Ist an sich ein rares Ereignis hier, zwei Autos gleichzeitig zwischen den Horizonten. Ich befürchte, dass dadurch der Adler endgültig verscheucht wurde. Ich fahre langsam weiter zu der Stelle. Wir erkennen, dass der Adler auf der Straße liegt. Der Wagen vorhin hat ihn offenbar erwischt. Beim Näher kommen ist zu erkennen, dass sich der Vogel noch bewegt. Er wurde am Boden getroffen, sein Hinterkörper und ein Flügel sind überfahren worden. Er bewegt den Kopf und den anderen Flügel und öffnet den Schnabel, ohne dass ein Laut zu hören ist. Ich entschließe mich bei dem Anblick des bedauernswerten Geschöpfes, dem Adler das Leiden zu verkürzen, indem ich ihn so überfahre, dass er schnell sterben kann. Ich öffne das Seitenfenster, sodass ich zum Vorderrad hinunter sehen kann. Ich will sicher gehen, dass ich ihn schnell töte. Ich manövriere so, dass das Rad noch 1 m vom Adler entfernt ist. Ich schaue ihn an. Er schaut nicht auf das riesige Rad vor ihm, sondern mir in die Augen. Ich sage etwas zu ihm, ich weiß nicht mehr was und gebe Vollgas. Zweimal spüre ich, wie ich ihn überfahre, einmal mit dem Vorderrad und dann noch mal mit dem Hinterrad. Es ging schnell, er hat es hinter sich. Ich steige aus und hebe den toten Körper von der Straße und lege ihn an den Rand ins Gras. Die Schlange liegt auch noch da. Sie ist ungemustert gelb-bräunlich, könnte ein der hochgiftigen Brownsnakes sein. Während ich Elfi, die draußen gestanden ist, von dem Blickkontakt erzähle, werden meine Augen feucht und ich kann nicht weiter sprechen. Das geht uns beiden sehr nahe und wirkt noch lange nach. Es war ein kleines Beispiel dafür, wie der Mensch die Natur brutal und rücksichtslos zerstört. Das wird mir in diesem Moment sehr klar bewusst.
Randgebirge des Wilpena Pound
Felsmalereien beim Arkaroo Rock
Blauzungenechse
Kurz vor Wilpena machen wir eine einstündige Wanderung zum Arkaroo Rock, wo Felsmalereien der Aborigines zu sehen sind. Sie sind über 9000 Jahre alt. Die Wanderung am östlichen Abfall des Randgebirges des Wilpena Pounds ist zwar sehr anstrengend, doch wunderschön. Ich filme da zwei Felsbrocken, die mich stark an Bilder eines Felsen erinnern, den der Rover "Opportunity" am Mars aufgenommen hatte. Eine weitere Wanderung führt uns durch den Sacred Canyon, wo Aborigines vor langer Zeit hauptsächlich kreisförmige Felsgravuren hinterlassen haben. Schließlich suchen wir den Campground bei Wilpena auf, um zu übernachten. Eine Minute nach 6 p.m. ist das Office schon geschlossen. Wir können aber hinein und nach mühevollem Hin-und-her stehen wir endlich auf einer powered site, also auf einem Standplatz mit Stromanschluss. Wir essen eine Kleinigkeit, die Gelsen kriegen auch was ab. Die Duschen sind etwas weit weg vom Platz. Es ist jedenfalls angenehm ruhig hier.
Im Sacred Canyon
Im Sacred Canyon Ein mächtiger Riese (Eukapyptus)
Im Sacred Canyon

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Sa., 20.11.2004
Wilpena Pound-Marree

Emu-Familie
Blick in die Landschaft
Am Hügel
Ich schreibe im Tagebuch hier im Caravan Park in Marree, weit nördlich der Flinders Ranges. Es sind von da noch 400 km bis Coober Pady über Schotterstraßen durch das wüstenartige Gebiet am Südrand des Lake Eyrie. Hier führte früher die Bahnlinie des "Old Ghan" von Adelaide nach Alice Springs entlang.

Am Morgen musste ich noch die Übernachtung im Office des Campingplatzes bei Wilpena bezahlen, war ja gestern keiner da. Wir fahren nach Norden, um einige der Gorges am Nord-West-Rand des Wilpena Pounds zu sehen. Brachina Gorge und Parachilna Gorge sind die schönsten hier. Man bekommt viele Tiere zu sehen: die großen roten Riesenkängurus, auch kleiner graue; Blauzungenechsen, Adler, Sittiche, weiße Kakadus und Emus. Die Emus haben zur Zeit Junge. Solche Familien kreuzen oft die Straße, ein Muttertier mit 4 bis 6 halbwüchsigen Jungen. Wir besteigen einen ca. 100 m hohen Hügel. Oben wachsen Grasbäume. Die Aussicht ist ganz phantastisch.

Wir verlassen den Wilpena Pound durch die Parachilna Gorge und fahren am Highway zwischen dem Torens Lake und dem Wilpena-Randgebirge nach Norden bis Marree. Die letzten 80 km sind nur noch unsealed, also Schotterstraße, Gravel Road, wie man hier dazu sagt. Die Straße ist aber in gutem Zustand, ich kann 100 bis 120 km/h schnell fahren. Die Landschaft wird immer wüstenartiger, total eben bis zum Horizont ringsum. Es wächst kaum noch was hier.

Im Zentrum des Wilpena Pounds in der Ferne das Randgebirge des Wilpena Pounds
scenic Kaffeepause
bloß nicht einschlafen da Port Lincoln Parrot
Alte Ghan-Lock in Marree Der Campground in Marree ist eher bescheiden. Man wird an die Pionierzeit erinnert, da jede Menge alter verrosteter Kram herum liegt. Es wirkt alles etwas improvisiert, aber letztendlich fehlt's an nichts. Es ist alles da: Toiletten, Duschen, Waschmaschine und Freiluftküche. Morgen Früh werde ich unser L.P.-Gas nachfüllen lassen. Perspektive

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So., 21.11.2004
Oodnadatta Track: William Creek, Lake Erie, Coober Pady

Oodnadatta Track
Lake Eyrie South
1 VW-Bus --> cut --> 2 Torflügel Kunstwerk in der Wüste
klang wundervoll
Da der Officer vom Campingplatz in Marree morgens nicht auffindbar ist, wird aus dem L.P.-Gas-Nachfüllen nichts. Aber die Bombe ist noch nicht ganz leer, wir können aufbrechen. Wir haben einen langen Weg vor uns. Nach William Creek sind's 205 km und von dort nach Coober Pady 168, also insgesamt 373 km auf der Schotterpiste durch die Wüste. Nach ein paar Kilometern, wir machen gerade einen Foto-Stopp, bleibt ein PKW neben uns stehen. Der Mann fragt, ob ich voraus fahren möchte. Wenn ich schnell genug fahren würde, wäre er immer hinter uns, um helfen zu können, falls wir Schwierigkeiten hätten. Na toll, sehr beruhigend. Was kommt da auf uns zu? Das Angebot war sehr nett von ihm, ich lehne aber dankend ab. Nach längerer Fahrt kommen wir an einem Areal vorbei, wo jemand eine Unzahl von Kunstwerken, aus Schrott zusammen geschweißt, ausgestellt hat. Manche sind ziemlich groß. Das Gatter besteht aus den zwei Hälften eines VW-Busses, der der Länge nach auseinander geschnitten wurde. Diese Galerie inmitten der Wüste ist eine willkommene Abwechslung. Es ist der Mutonia Sculpture Park der von Robin 'Mutoid' Cooke von der Mutoid Waste Company jährlich erweitert wird. Wir kommen an den Südrand des Lake Eyrie South. Er ist derzeit, wie meistens, absolut trocken. Man sieht nur über eine hitzeflirrende Salzebene bis zum Horizont. Ich möchte gerne näher ran. Ein kleiner Pfad führt zum See hinüber bis zu einer steilen Böschung, die zum Seegrund abfällt. Von da aus ist auch nicht mehr zu erkennen. Ich will wenden und da passiert es. Die Oberfläche sieht recht fest aus, ist dicht mit Steinen belegt. Was man nicht sieht, ist der Untergrund. Unter der dünnen Schicht aus Steinen ist nur noch reiner Sand. Sobald ein Rad die dünne Steinchenschicht verschiebt, beim Anfahren oder eben beim Wenden mit starkem Einschlag, versinkt es im Sand. Nach ein paar Schrecksekunden ist die Lektion gelernt. Leider geht es auch etwas bergauf, sodass ein Schlupf der Antriebsräder praktisch unvermeidlich ist. Elfi ist nahe an der Panik. "Da kommen wir nie wieder raus!" und Ähnliches ist von ihr zu hören. Wir baggern mit dem Plastikschaufelchen und dem großen Kochlöffel (aus Stahl!) die Räder frei, legen flache Steine darunter. Es funktioniert. Wir stecken aber gleich wieder im Sand. Müssen wir den Rest unseres Lebens hier verbringen? Nein! Noch zwei Schaufeleinsätze und wir fahren wieder zurück zur Hauptpiste, dem Oodnadatta Track. William Creek ist ein Nest. Unglaublich, dass Menschen hier leben können. Da noch genügend Benzin im Tank ist, fahren wir gleich weiter. Kurz nach William Creek ist die Abzweigung nach links. Hier geht's weiter nach Coober Pady. Die Landschaft ist durch hunderte Kilometer lange Sanddünen geprägt, die parallel im Abstand von 200 bis 300 m liegen. Es gibt wieder mehr Grün hier. Ein niedriger Bewuchs und Büsche bedecken die Dünen und die Ebene dazwischen zu geschätzten 60%. Auf dieser Strecke begegnen wir insgesamt zwei Autos im Gegenverkehr. Wir kommen rasch voran. Ein Schnitt von 80 km/h ist gut möglich. Die Piste ist trocken. Bei Regen, ist ja selten hier, muss es schlimm sein auf solchen Straßen.  Kurz vor Coober Pady sind die ersten Hügel aus Abräummaterial. Wir gehen gleich Opale suchen. Ich finde ein paar Gipskristalle und eine verweste Rinderleiche. Wir fahren nach Coober Pady hinein. In dieser Stadt ist fast alles unterirdisch, vom Hotel bis zur Kirche. Wir besuchen ein Opal-Museum mit angeschlossenem Verkaufsladen. Elfi lässt sich ausführlich von der Deutschen Verkäuferin beraten. Wir kaufen aber nichts. Die junge Verkäuferin ist mit einem Österreichischen Miner schon 1,5 Jahre hier. Sie empfiehlt uns den Caravan Park "Oasis". Seltsam, dort wird uns genau dieser Laden zum Opalkauf empfohlen und sogar 10% Rabat in Aussicht gestellt. Es gibt offensichtlich gute innerstädtische Geschäftsbeziehungen. Der Campingplatz ist sehr eng besetzt. Da Wasser in Coober Pady sehr wertvoll ist, muss man an der Dusche 20 Cent-Stücke einwerfen. Erstmals ist es zur Schlafenszeit noch heiß draußen.

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